Das medizinische Spritzgießen befindet sich im Wandel. Die Nachfrage nach Einwegprodukten, miniaturisierten Bauteilen und einer Fertigung innerhalb der EU wächst stetig und stellt neue Anforderungen an die Branche. Kunden erwarten sichere Produkte und Bauteile, die strenge regulatorische Vorgaben erfüllen. Hersteller müssen ihre Fertigungsprozesse entsprechend anpassen.
Die Zukunft des medizinischen Spritzgießens liegt in der Kombination aus medizinisch zugelassenen Kunststoffen, Reinraumfertigung und simulationsgestützter Entwicklung. Ziel ist es, hochwertige Medizinprodukte mit hoher Prozesssicherheit herzustellen. Immer mehr Unternehmen setzen auf Moldflow-Analysen, um fundierte Entscheidungen zu treffen und Risiken bereits in einer frühen Phase der Produktentwicklung zu reduzieren.
Was ist medizinisches Spritzgießen?
Medizinisches Spritzgießen ist ein Fertigungsverfahren zur Herstellung von Kunststoffbauteilen für medizinische Anwendungen, beispielsweise für Diagnosegeräte, Laborsysteme oder medizinische Verbrauchsmaterialien. Dabei kommen medizinisch zugelassene Thermoplaste und validierte Werkzeuge zum Einsatz, um Bauteile herzustellen, die auch unter Reinraumbedingungen oder in kontrollierten Produktionsumgebungen präzise und reproduzierbar gefertigt werden können. Aufgrund der hohen regulatorischen Anforderungen arbeiten viele Hersteller nach einem Qualitätsmanagementsystem gemäß ISO 13485, um Produktqualität sowie die Rückverfolgbarkeit von Materialien, Chargen, Werkzeugen und Prozessdaten sicherzustellen.
Der grundlegende Ablauf entspricht dem des klassischen Spritzgießprozesses. Zunächst wird das Werkzeug geschlossen und mit der erforderlichen Schließkraft verriegelt. Anschließend wird die Kunststoffschmelze während des Einspritzvorgangs in den Formhohlraum eingebracht. Nach der Abkühlung erstarrt das Material zur gewünschten Bauteilgeometrie, bevor das fertige Bauteil im Auswerfvorgang aus dem Werkzeug entnommen wird.
Das Spritzgießen medizinischer Kunststoffbauteile unterliegt deutlich strengeren Anforderungen und erfordert eine umfassendere Prozesskontrolle. Die hergestellten Bauteile kommen häufig mit Flüssigkeiten, dem menschlichen Körper oder medizinischen Instrumenten in Kontakt. Poröse Oberflächen oder Mikrorisse können das Bauteilverhalten in sicherheitskritischen Anwendungen beeinträchtigen. Deshalb ist eine sorgfältige Qualitätssicherung unverzichtbar. Eine simulationsgestützte Werkzeuganalyse kann das Füllverhalten der Schmelze sowie das Schwindungsverhalten vorhersagen und dabei helfen, Fertigungsfehler bereits vor Produktionsbeginn zu vermeiden.

Warum setzt die Medizintechnik auf Kunststoffspritzguss?
Die Medizintechnik setzt auf das Spritzgießverfahren, weil es eine hohe Wiederholgenauigkeit, komplexe Bauteilgeometrien und eine wirtschaftliche Serienfertigung ermöglicht. Darüber hinaus bietet das Verfahren eine umfassende regulatorische Dokumentation, wodurch sich Produktionsprozesse einfacher gemäß den geltenden Anforderungen validieren lassen. Mit einem qualifizierten Werkzeug können identische Bauteile mit konstanten Abmessungen hergestellt werden. Das ist sowohl für Baugruppen als auch für Einwegprodukte von entscheidender Bedeutung. Zudem eignet sich das Verfahren für feine Strukturen, dünne Wandstärken, strukturierte Oberflächen und Geometrien, die mit anderen Fertigungstechnologien nur schwer realisierbar wären.
Für Ingenieursteams ist vor allem die hohe Vorhersagbarkeit des Prozesses ein wesentlicher Vorteil. Bauteil, Werkstoff, Werkzeug und Prozessfenster können bereits vor Produktionsbeginn bewertet werden. Eine simulationsgestützte Frontloading-Strategie hilft dabei, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen – zu einem Zeitpunkt, an dem Änderungen noch mit geringem Aufwand möglich sind. Beim Spritzgießen medizinischer Bauteile lassen sich dadurch kostenintensive Korrekturen kurz vor Produktionsbeginn vermeiden, die häufig zu Terminverzögerungen und Materialverlusten führen.
Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht bietet das Verfahren Vorteile. Sobald ein Werkzeug qualifiziert ist, kann dieselbe Auslegung für die wirtschaftliche Serienfertigung mit kontrollierter Qualität genutzt werden. Das ist insbesondere für Hersteller von Einwegprodukten, Diagnostikverbrauchsmaterialien und Komponenten für Arzneimittelverabreichungssysteme von Bedeutung, deren Produktionsmengen häufig starken Schwankungen unterliegen.
Welche Vorteile bietet das Kunststoffspritzgießen für Medizinprodukte?
Ein wesentlicher Vorteil ist die Wirtschaftlichkeit und Prozesssicherheit. Das Werkzeug muss nur einmal hergestellt werden. Anschließend können in jedem Spritzgießzyklus Bauteile mit hoher Wiederholgenauigkeit und geringem manuellem Aufwand produziert werden. Dadurch eignet sich das Verfahren besonders für die kosteneffiziente Serienfertigung, ohne Abstriche bei der Qualität.
Ein weiterer Vorteil ist die große Gestaltungsfreiheit. Mit dem medizinischen Kunststoffspritzguss lassen sich dünnwandige Bauteile, Schnappverbindungen, Clips, Mikrostrukturen oder Fluidkanäle fertigen. Deshalb kommt das Verfahren bei einer Vielzahl medizinischer Produkte zum Einsatz – von Laborartikeln bis hin zu Systemen zur Arzneimittelverabreichung.
Ein weiterer Vorteil ist die hohe Materialvielfalt. Medizinische Bauteile müssen häufig Anforderungen hinsichtlich Biokompatibilität, Chemikalienbeständigkeit, optischer Transparenz, Sterilisierbarkeit, Flexibilität oder Temperaturbeständigkeit erfüllen. Das Spritzgießen ermöglicht den Einsatz des jeweils geeigneten Kunststoffs, der diese Anforderungen erfüllt.
Ein weiterer Vorteil ist die Unterstützung regulatorischer Anforderungen. Validierte Prozesseinstellungen und dokumentierte Qualitätskontrollen erleichtern Herstellern die Erstellung von Entwicklungsdokumentationen, Fertigungsnachweisen und Unterlagen für Audits.
Typische Anwendungsbereiche des medizinischen Spritzgießens
Heute ist das Spritzgießen aus der Medizintechnik nicht mehr wegzudenken. Das Verfahren wird sowohl für einfache Einwegprodukte als auch für komplexe Baugruppen eingesetzt.
Implantierbare Medizinprodukte
Implantierbare Bauteile müssen dauerhaft belastbar sein und die Anforderungen an den Gewebekontakt erfüllen. Das Spritzgießen ermöglicht den Einsatz geeigneter biokompatibler Kunststoffe und eignet sich daher für orthopädische, dentale, gelenkbezogene und chirurgische Anwendungen.
Chirurgische Instrumente
Auch chirurgische Instrumente und deren Komponenten werden häufig im Spritzgießverfahren hergestellt. Kunststoffbauteile finden sich beispielsweise in Skalpellgriffen, Pinzettengriffen, Klemmen, Retraktoren oder Positionierungshilfen. Die verwendeten Werkstoffe werden aufgrund ihrer Festigkeit, Sterilisierbarkeit und Biokompatibilität ausgewählt, da sie wiederholte Reinigungs- und Sterilisationsprozesse ohne Verlust ihrer mechanischen Eigenschaften überstehen müssen.
Medizinische Einweg- und Verbrauchsprodukte
Zahlreiche Einwegprodukte im Gesundheitswesen werden im Spritzgießverfahren hergestellt, darunter Spritzen, Reagenzgläser, Petrischalen, Tropfkammern und Diagnostikverbrauchsmaterialien. Für viele dieser Anwendungen wird Polypropylen (PP) eingesetzt, da es eine gute Chemikalienbeständigkeit mit geringen Materialkosten verbindet. Häufig kommen dabei Werkzeuge mit hoher Kavitätenzahl sowie Mikrospritzgießverfahren zum Einsatz, um hohe Stückzahlen bei gleichbleibender Maßhaltigkeit zu erreichen.
Laborausstattung
Viele Laborprozesse in Forschung und Analytik basieren auf spritzgegossenen Behältern, Pipettenspitzen, Mikrotiterplatten und Kartuschen. Das Verfahren ermöglicht glatte Oberflächen und eine gleichbleibende Bauteilgeometrie, was für reproduzierbare Laborergebnisse von entscheidender Bedeutung ist.
Gehäuse für Medizinprodukte
Diagnose- und Überwachungssysteme benötigen robuste Gehäuse zum Schutz empfindlicher Elektronik sowie zur Einhaltung hygienischer Anforderungen. Diese Gehäuse lassen sich im Spritzgießverfahren herstellen, können jedoch bereits während der Fertigung zu Verformungen neigen. Eine Verzug- und Kernverschiebungsanalyse für dünnwandige Bauteile hilft dabei, diese Risiken frühzeitig zu bewerten und bereits vor dem Werkzeugbau zu minimieren.
Sterile Verpackungslösungen
Das Spritzgießen wird häufig zur Herstellung medizinischer Verpackungen für Einwegprodukte, Verbrauchsmaterialien und medizinische Geräte eingesetzt. Dazu gehören unter anderem Fläschchen, Verschlüsse, Behälter, Blisterkomponenten und Schutztrays. Das Verfahren ermöglicht stabile und dicht schließende Verpackungen, die den Inhalt während Lagerung und Transport zuverlässig schützen und steril halten.

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Wichtige Verfahren im medizinischen Spritzgießen
Für die Herstellung medizinischer Kunststoffbauteile kommen verschiedene Spritzgießverfahren zum Einsatz, die jeweils auf bestimmte Anwendungen ausgelegt sind. Zu den wichtigsten gehören:
- Dünnwand-Spritzgießen: Wird häufig für leichte Gehäuse, Laborartikel und Verpackungen eingesetzt. Besonders geeignet, wenn Zykluszeit und Kühlung präzise gesteuert werden müssen.
- Gasinnendruck-Spritzgießen: Kommt bei dickwandigen Bauteilen zum Einsatz und trägt dazu bei, Einfallstellen zu reduzieren sowie das Bauteilgewicht zu verringern.
- Insert-Spritzgießen: Verbindet Kunststoff mit Metalleinsätzen, Kanülen oder Gewindeelementen und wird häufig für Bauteile mit komplexerer Geometrie verwendet.
- Umspritzen (Overmolding) und Zweikomponenten-Spritzgießen: Ermöglicht die Herstellung von Bauteilen mit Soft-Touch-Oberflächen, Dichtungen oder Griffbereichen.
- Flüssigsilikon-Spritzgießen (LSR): Verarbeitet Flüssigsilikonkautschuk zur Herstellung flexibler Dichtungen, Ventile und elastischer Bauteile.
- Mikrospritzgießen: Dient der Fertigung sehr kleiner Strukturen, die eine hohe Präzision beim Einspritzen und eine exakte Werkzeugausführung erfordern, beispielsweise Katheterspitzen oder mikrofluidische Bauteile.
Alle diese Fertigungsverfahren ermöglichen die wirtschaftliche Herstellung medizinischer Bauteile mit hoher Wiederholgenauigkeit und gleichbleibender Qualität.
Kunststoffe für das medizinische Spritzgießen
Die Materialauswahl beeinflusst die Leistungsfähigkeit, Sterilisierbarkeit, Biokompatibilität und Maßhaltigkeit eines Bauteils. Beim Spritzgießen medizinischer Kunststoffbauteile prüfen Ingenieursteams in der Regel die Anforderungen nach ISO 10993, USP Class VI, die Kontaktdauer mit dem menschlichen Körper, die chemische Beanspruchung sowie das vorgesehene Sterilisationsverfahren, bevor ein Werkstoff ausgewählt wird.
| Werkstoff | Typische Anwendungen | Wichtige Eigenschaften |
| PE, HDPE, LDPE, UHMW-PE | Schläuche, Behälter, Verschleißteile und Laborartikel | Hohe Chemikalienbeständigkeit, Zähigkeit und geringe Feuchtigkeitsaufnahme |
| PP | Spritzen, Verschlüsse, Diagnostikverbrauchsmaterialien und Laborbehälter | Geringes Gewicht, wirtschaftlich und für viele Einwegprodukte geeignet |
| PC | Gehäuse, transparente Bauteile und Steckverbinder | Hohe Transparenz, Schlagzähigkeit und Maßhaltigkeit |
| PEEK | Ausgewählte Hochleistungs- und Implantatanwendungen | Hohe Temperaturbeständigkeit, mechanische Festigkeit und Potenzial für biokompatible Anwendungen |
| PS | Petrischalen, Trays und Laborartikel | Hohe Transparenz, Steifigkeit und kostengünstige Verarbeitung |
| PFA, FEP | Medienberührte Bauteile und chemisch beanspruchte Komponenten | Sehr hohe Chemikalienbeständigkeit und Reinheit |
| TPE | Griffe, Dichtungen und flexible Verbindungselemente | Weiche Haptik, Flexibilität und gute Haftung auf anderen Werkstoffen |
| Silicone, LSR | Dichtungen, Ventile, flexible Bauteile und Wearables | Hohe Flexibilität, Potenzial für Biokompatibilität und Sterilisierbarkeit |
Die Eignung eines Werkstoffs sollte stets im Hinblick auf die vorgesehenen Sterilisationsverfahren – beispielsweise Ethylenoxid (EtO), Gammastrahlung oder Autoklavieren – überprüft werden. Ein Werkstoff, der sich für eine Anwendung eignet, kann in einer anderen ungeeignet sein, da Wärme, Strahlung oder Chemikalien Farbe, Steifigkeit oder Maßhaltigkeit verändern können.
Regulatorische Anforderungen, Reinraumbedingungen und Qualitätsmanagement
Die Medizintechnik zählt zu den am stärksten regulierten Fertigungsbereichen. Deshalb müssen im Spritzgießverfahren hergestellte Medizinprodukte strenge Anforderungen erfüllen. Hersteller müssen nachweisen, dass ihre Fertigungsprozesse kontrolliert, dokumentiert und reproduzierbar sind. Aus diesem Grund kombinieren Unternehmen häufig Reinraumfertigung, validierte Anlagen, rückverfolgbare Materialien und etablierte Qualitätsmanagementsysteme.
Regulatorische Anforderungen
Je nach Produkt und Zielmarkt müssen Hersteller von Medizinprodukten verschiedene Normen und Vorschriften berücksichtigen, darunter ISO 13485, FDA 21 CFR Part 820, die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR), ISO 10993 sowie USP Class VI.
Darüber hinaus spielt die Risikoklasse des Medizinprodukts eine entscheidende Rolle. Während Produkte der Klasse I (z. B. unsterile Untersuchungshandschuhe) vergleichsweise geringe Anforderungen erfüllen müssen, erfordern Produkte der Klasse II (z. B. Infusionspumpen) und Klasse III (z. B. implantierbare Herzschrittmacher) eine deutlich umfangreichere Dokumentation und Validierung.
Die Einhaltung regulatorischer Anforderungen beginnt bereits vor der Produktion. Werkstoffe, Prozessfähigkeit, Werkzeugvalidierung und Prüfpläne müssen auf die vorgesehene Anwendung abgestimmt sein. Eine frühzeitige technische Bewertung hilft dabei, potenzielle Fertigungsprobleme rechtzeitig zu erkennen und vor der Validierung zu vermeiden.
Reinraumfertigung
Unter Reinraumfertigung versteht man die kontrollierte Begrenzung luftgetragener Partikel und weiterer Kontaminationsquellen gemäß ISO 14644. Für das Spritzgießen medizinischer Kunststoffbauteile werden je nach Produkt und Reinheitsanforderungen häufig Reinräume der ISO-Klasse 7 oder ISO-Klasse 8 eingesetzt.
Eine qualifizierte Reinraumproduktion umfasst unter anderem kontrollierte Schutzkleidung, Luftfiltersysteme, dokumentierte Reinigungsverfahren sowie eine geregelte Materialhandhabung. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, eine gleichbleibend hohe Produktqualität sicherzustellen und Risiken für Anwender und Patienten zu minimieren.
Rückverfolgbarkeit, Dokumentation und Prozessvalidierung
Rückverfolgbarkeit bedeutet, sämtliche Informationen zu dokumentieren, die für die Herstellung eines Bauteils relevant sind. Dazu gehören verwendete Materialien, Maschineneinstellungen, Fertigungszeitpunkte, Prüfergebnisse sowie die beteiligten Mitarbeitenden. Treten später Probleme auf, ermöglichen diese Aufzeichnungen eine eindeutige Ursachenanalyse und den Nachweis, dass der freigegebene Fertigungsprozess eingehalten wurde.
Zu den etablierten Schritten der Prozessvalidierung gehören IQ, OQ und PQ. Die Installationsqualifizierung (IQ) bestätigt die ordnungsgemäße Installation der Anlagen. Die Funktionsqualifizierung (OQ) überprüft, ob der Prozess innerhalb der festgelegten Grenzen zuverlässig arbeitet. Die Leistungsqualifizierung (PQ) weist nach, dass unter Serienbedingungen dauerhaft Bauteile mit den geforderten Eigenschaften hergestellt werden können. Gemeinsam mit den Anforderungen der Guten Herstellungspraxis (GMP) tragen diese Maßnahmen zur Patientensicherheit und zu einer konstant hohen Qualität in der Herstellung von Medizinprodukten bei.
Aktuelle Entwicklungen im medizinischen Spritzgießen
Das medizinische Spritzgießen entwickelt sich kontinuierlich weiter. Die Zukunft der Branche wird durch präzisere Simulationen, leistungsfähigere Werkstoffe und eine bessere Vernetzung von Produktionsdaten geprägt. Moderne Spritzgießmaschinen ermöglichen eine genauere Regelung von Temperatur, Druck und Füllzeit. Dadurch lassen sich Schwindung reduzieren, Zykluszeiten verkürzen und die strukturelle Integrität der Bauteile verbessern.
Ein aktueller Trend ist die KI-gestützte Prozessoptimierung. Bereits heute existieren Lösungen, die Simulationsdaten mit realen Maschinendaten verknüpfen und daraus konkrete Optimierungsmöglichkeiten für den Fertigungsprozess ableiten. Ein Beispiel hierfür sind die KI-Funktionen in Autodesk Moldflow, die den Wandel hin zu einer vernetzten und datenbasierten Entscheidungsfindung verdeutlichen.
Viele Projekte im medizinischen Spritzgießen nutzen inzwischen außerdem 3D-gedruckte Prototypen. Dadurch erhalten Ingenieursteams erste Versuchsteile deutlich schneller und können Geometrien bereits in frühen Entwicklungsphasen validieren. Dieses Rapid Prototyping spart Ressourcen während der Entwicklungsphase und ermöglicht eine schnellere Vorbereitung der Serienproduktion.
Auch neue biokompatible Kunststoffe erweitern die Möglichkeiten der Produktentwicklung. Sie bieten verbesserte Eigenschaften hinsichtlich Sterilisierbarkeit, Transparenz, Chemikalienbeständigkeit und Flexibilität. Solche Werkstoffe kommen in zahlreichen Anwendungen zum Einsatz – von kleinen medizinischen Bauteilen über Wearables bis hin zu Arzneimittelverabreichungssystemen und Diagnostikgeräten.
Darüber hinaus gewinnt das Thema Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Soweit gesetzliche Vorgaben und Produktsicherheit es zulassen, setzen Hersteller verstärkt auf recycelte oder biobasierte Kunststoffe. Andere Unternehmen konzentrieren sich auf energieeffiziente Spritzgießmaschinen, optimierte Kühlsysteme und simulationsgestützte Entwicklungsprozesse, um Materialverbrauch und Ausschuss zu reduzieren.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Qualifizierung von Ingenieursteams. Schulungen im Bereich Autodesk Moldflow sowie entsprechende Zertifizierungen helfen dabei, internes Fachwissen aufzubauen und fundierte Entscheidungen bereits während der Konstruktion und Werkzeugauslegung zu treffen.
Auch integrierte CAD- und CAE-Workflows beschleunigen die Produktentwicklung. Je enger Simulation und CAD-Modell miteinander verbunden sind, desto früher lassen sich Konstruktionsänderungen bewerten und Übergabeverluste vermeiden. Simulationserweiterungen in Autodesk Fusion zeigen beispielhaft, wie sich Konstruktion und Simulation während der Entwicklung medizinischer Produkte effizient miteinander verbinden lassen.
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FAQ
Wodurch unterscheidet sich das medizinische Spritzgießen vom industriellen Standardspritzgießen?
Das medizinische Spritzgießen stellt deutlich höhere Anforderungen an Materialkontrolle, Dokumentation, Rückverfolgbarkeit, Qualitätsmanagement und Prozessvalidierung. Darüber hinaus erfolgt die Fertigung vieler Produkte unter Reinraumbedingungen.
Welche Werkstoffe gelten für Medizinprodukte als biokompatibel (ISO 10993, USP Class VI)?
Zu den häufig verwendeten Werkstoffen gehören ausgewählte Typen von PP, PE, PC, PEEK, Silikon, TPE und Fluorpolymeren.
Wie lange dauert die Herstellung eines Werkzeugs für ein medizinisches Bauteil?
Die Fertigungsdauer hängt von der Komplexität des Werkzeugs und dem erforderlichen Validierungsaufwand ab. Ein einfaches Werkzeug kann innerhalb weniger Wochen hergestellt werden, während komplexe und validierte Werkzeuge mehrere Monate benötigen können.
Können implantierbare Medizinprodukte im Spritzgießverfahren hergestellt werden?
Ja. Sowohl einzelne implantierbare Bauteile als auch komplette Implantate, beispielsweise Gelenk- oder Dentalimplantate, können im Spritzgießverfahren gefertigt werden. Dabei müssen jedoch strenge Anforderungen an Biokompatibilität und regulatorische Vorgaben erfüllt werden.
Wie viele Sterilisationszyklen (Autoklavieren, EtO, Gamma) hält ein medizinischer Kunststoff aus?
Die Anzahl der möglichen Sterilisationszyklen hängt vom verwendeten Werkstoff, der Bauteilgeometrie und dem Sterilisationsverfahren ab. Typische Richtwerte sind:
- Polypropylen (PP): etwa 10 Zyklen
- Polycarbonat (PC): etwa 50–100 Zyklen
- PEEK: über 1.000 Zyklen
Auch das Sterilisationsverfahren beeinflusst die Lebensdauer. Eine Sterilisation mit Ethylenoxid (EtO) hat selbst nach vielen Zyklen meist nur geringe Auswirkungen auf den Werkstoff, während eine Gammasterilisation im Bereich von 25–50 kGy Kunststoffe in der Regel deutlich schneller altern lässt.
Was bedeuten IQ, OQ und PQ, und warum sind sie für die Herstellung von Medizinprodukten wichtig?
IQ (Installationsqualifizierung) bestätigt die ordnungsgemäße Installation der Anlagen. OQ (Funktionsqualifizierung) überprüft die Prozessfähigkeit innerhalb definierter Grenzen. PQ (Leistungsqualifizierung) weist nach, dass unter Serienbedingungen dauerhaft Bauteile mit den geforderten Eigenschaften hergestellt werden können. Gemeinsam belegen diese Schritte, dass Anlagen und Prozesse reproduzierbar hochwertige Produkte herstellen.
Welche Fragen sollten Sie einem potenziellen Spritzgießpartner für Medizinprodukte stellen?
Prüfen Sie unter anderem, ob das Unternehmen über eine ISO-13485-Zertifizierung, Reinraumkapazitäten, Systeme zur Rückverfolgbarkeit, validierte Prozesse, DFM-Kompetenz, kontrollierte Materialhandhabung, geeignete Prüfverfahren sowie Simulationskompetenz verfügt.
Lassen sich Werkzeugkosten reduzieren, ohne die Bauteilqualität zu beeinträchtigen?
Ja. Eine frühzeitige DFM-Analyse, simulationsgestützte Entwicklung sowie sinnvoll festgelegte Toleranzen helfen dabei, Werkzeugkosten zu senken, ohne die Qualität des Endprodukts zu beeinträchtigen.





