Das Verständnis der einzelnen Phasen der Spritzgusssimulation hilft Teams dabei, das Bauteilverhalten bereits vor der Werkzeugfertigung zu bewerten. Eine strukturierte digitale Analyse folgt dabei derselben Logik wie der reale Spritzgießprozess: Zunächst wird die Kavität gefüllt, anschließend wird die Schmelze über den Nachdruck verdichtet, und schließlich kühlt das Bauteil ab und kann sich verziehen. Werden diese Prozessphasen frühzeitig untersucht, können Ingenieure die Bauteilqualität verbessern, Werkzeugrisiken reduzieren und Entscheidungszyklen in Entwicklung und Produktion verkürzen.
Warum Simulation für die Bauteilqualität im Spritzgussprozess entscheidend ist

Die Bauteilqualität wird bereits lange vor dem ersten gespritzten Musterteil maßgeblich beeinflusst. Fließwiderstände, eingeschlossene Gase, ungleichmäßige Nachdruckverteilung und thermische Ungleichgewichte können sich auf Endmaße und Oberflächenqualität auswirken. Füll-, Nachdruck- und Verzugsanalysen werden deshalb häufig eingesetzt, da sie helfen, solche Effekte frühzeitig vorherzusagen und eine bessere Optimierung, fundiertere technische Entscheidungen sowie eine höhere Produktzuverlässigkeit zu ermöglichen.
Überblick über die Phasen der Spritzgusssimulation
Die Phasen der Spritzgusssimulation werden in der Regel in folgender Reihenfolge betrachtet:
Füllanalyse
Zeigt, wie die Schmelze in die Kavität einströmt und wie sich die Fließfront entwickelt.
Nachdruckanalyse
Zeigt, wie der Druck den volumenbedingten Schwindungsausgleich während der Abkühlung kompensiert.
Verzugsanalyse
Zeigt die finale geometrische Veränderung des Bauteils nach Berücksichtigung von Abkühlung und unterschiedlichem Schwindungsverhalten.

Füllsimulationsphase im Spritzguss
Die Füllphase ist die erste Prozessphase, in der viele spritzgusstechnische Risiken sichtbar werden. Eine Füllsimulation zeigt, ob das Bauteil vollständig gefüllt werden kann, an welchen Stellen der Druck stark ansteigt und wo Lufteinschlüsse oder bindenahtbezogene Probleme entstehen können. In der Praxis liefert diese Phase das früheste Feedback zur Herstellbarkeit des Bauteils und zu den Anforderungen an die Spritzgießmaschine.
Optimierung in der Entwicklungsphase
Eine Füllsimulation ist besonders in frühen Entwicklungsphasen wertvoll, da sie zeigt, ob ein Bauteilkonzept bereits vor dem Werkzeugbau realistisch umsetzbar ist. Sie kann aufzeigen, ob sich die Kavität gleichmäßig füllt, ob Bindenähte oder Lufteinschlüsse zu erwarten sind, ob Schließkraft- und Nachdruckanforderungen plausibel erscheinen und ob das gewählte Anspritzkonzept zur Bauteilgeometrie passt.
Typische Fehler in der Füllsimulation
In dieser Phase erkennen Ingenieure typischerweise erstmals Probleme wie unvollständig gefüllte Bauteile, Lufteinschlüsse, Bindenähte und unbalancierte Füllungen. Eine fundierte Füllsimulation markiert dabei nicht nur kritische Bereiche, sondern liefert eine strukturierte Analyse darüber, wo die Schmelze stagniert, wo der Druck zu schnell abfällt und an welchen Stellen lokale Geometrieanpassungen erforderlich sein können.
Nachdruckphase der Spritzgusssimulation
Die Nachdruckphase beginnt, sobald die Kavität vollständig gefüllt ist und die Maschine weiterhin Druck auf die Schmelze ausübt, damit zusätzliches Material den volumenbedingten Schwindungseffekt während der Abkühlung kompensieren kann. Dieser Ausgleich ist jedoch nur möglich, solange noch ein flüssiger Schmelzekern vorhanden ist. Sobald Anguss oder Anschnitt erstarren, endet das Nachfließen, wodurch ungleichmäßige Dichteverteilungen entstehen können, die späteren Verzug begünstigen.
Ergebnisse der Nachdruckanalyse
Eine Nachdruckanalyse zeigt Temperaturverläufe, Druckverteilungen, Eigenspannungen, volumetrische Schwindungsverteilungen sowie die Veränderung der Bauteilmasse während der Dichteentwicklung. Diese Ergebnisse helfen dabei, Füllzeit, Nachdruckprofil, Nachdruckdauer, Schmelze- und Werkzeugtemperatur sowie die Leistung des Angusssystems besser abzuschätzen.
Einfluss der Nachdruckeinstellungen auf die Bauteildichte
Im Nachdruckprozess des Spritzgießens haben Einstellungen wie Umschaltzeitpunkt und Nachdruckprofil einen wesentlichen Einfluss auf die finale Dichteverteilung im Bauteil. Wird die Nachdruckphase optimal ausgelegt, verbessert sie die Homogenität des Bauteils und sorgt für stabilere Folgeergebnisse im gesamten Spritzgießprozess.


Verzugsanalyse in der Spritzgusssimulation
Die Verzugsanalyse bewertet, wie sich das Spritzgussteil während der Abkühlung auf Raumtemperatur geometrisch verändert. Dabei werden Ergebnisse aus den vorherigen Prozessphasen verwendet und – insbesondere bei faserverstärkten Materialien – thermische Effekte, Nachdruckeinflüsse sowie Orientierungswirkungen berücksichtigt. In Simulationsworkflows bildet die Verzugsanalyse die Verbindung zwischen dem Verhalten während Füll- und Nachdruckphase und der finalen Bauteilgeometrie.
Simulation des Verzuges
Ungleichmäßiges Schwindungsverhalten zählt zu den Hauptursachen für Verzug. Obwohl der Nachdruck einen Teil des Volumenschwunds kompensieren kann, setzt sich die Schwindung während der weiteren Abkühlung und Erstarrung des Bauteils fort. Eine fundierte Verzugsanalyse basiert daher auf den lokalen Schwindungsverteilungen, die bereits in den vorherigen Prozessphasen entstehen.
Verzugsoptimierung durch gezielte Prozessanpassung
Das Ziel dieser Phase besteht darin, die Ursachen des Verzugs zu identifizieren und durch gezielte Maßnahmen zu reduzieren. Dabei vergleichen Analysten typischerweise unterschiedliche Abkühlungsverläufe, differenzielles Schwindungsverhalten sowie orientierungsbedingte Effekte und optimieren anschließend Anspritzkonzept, Wandstärkenbalance, Nachdruckparameter oder die thermische Werkzeugführung.
Zusammenhang zwischen Füllsimulation, Nachdruck und Verzug
Diese Prozessphasen sollten niemals isoliert betrachtet werden. Die Füllphase beeinflusst den Druckbedarf sowie die Fließorientierung der Schmelze. Die Nachdruckphase verändert Dichteverteilung und Eigenspannungen. Der Verzug stellt schließlich das sichtbare Ergebnis dieser vorherigen Prozesseinflüsse dar. Deshalb entstehen die besten Ergebnisse, wenn alle Phasen der Spritzgusssimulation gemeinsam bewertet werden, anstatt nur einen einzelnen Prozessschritt isoliert zu optimieren.
Fundierte Entscheidungen durch Simulation – von der Füllphase bis zum Verzug.
Warum MF Software für Spritzgusssimulationen wählen?
MF Software unterstützt Unternehmen dabei, Simulation zu einem festen Bestandteil der täglichen Projektarbeit zu machen – nicht nur als nachgelagerte Validierung. Das Ziel ist es, die technische Analyse sowohl für Manager als auch für Ingenieure nutzbar zu machen.
Nachgewiesene Expertise in der Spritzgusssimulation
MF SOFTWARE bietet spezialisierte Beratung, Schulungen und Serviceleistungen rund um Moldflow und die Spritzgusssimulation.
Simulationsgestützte Optimierung
Füllung, Nachdruck, Kühlung und Verzug werden als miteinander verknüpfte Stellgrößen betrachtet, um Risiken bereits vor der Werkzeuginvestition zu minimieren.
Unterstützung von der Designvalidierung bis zur Produktionsreife
Die Unterstützung beginnt bereits bei der Bauteilauslegung und begleitet Konstrukteure, Werkzeugbauer sowie Teams auf dem Weg zu einer stabilen Serienproduktion.
FAQ
Sie folgt auf die Füllphase. Während der Nachdruckphase übt die Maschine weiterhin Druck auf die Schmelze aus, damit zusätzliches Material den volumenbedingten Schwindungseffekt während der Abkühlung kompensieren kann, bevor der Anschnitt erstarrt.
Schwindung beschreibt die Größenabnahme eines Bauteils während der Abkühlung. Verzug hingegen bezeichnet eine Formänderung, die durch ungleichmäßige Schwindung sowie unterschiedliche thermische oder orientierungsbedingte Effekte innerhalb des Bauteils verursacht wird.
Sie bestehen aus Füllung, Nachdruck und Verzug. Diese Phasen der Spritzgusssimulation werden häufig als miteinander verknüpfte Prozessschritte betrachtet, da jede Phase direkten Einfluss auf die nachfolgende hat.
Zu den wichtigsten Parametern zählen Füllzeit, Volumenstromprofil, Einspritzdruck, Schließkraft, Schmelze- und Werkzeugtemperatur sowie Nachdruckprofil und -dauer. Diese Einstellungen beeinflussen direkt Füllverhalten, Dichteverteilung und die finale Bauteilgeometrie.
Der erste Schritt besteht darin, die Hauptursache des Verzugs zu identifizieren. Anschließend werden Anspritzkonzept, Nachdruckprofil, Wandstärkenbalance oder Kühlbedingungen gezielt anhand der Ergebnisplots und des Bauteilverhaltens optimiert.
Typische Anzeichen sind Durchbiegung, Verwindung oder Maßabweichungen nach der Abkühlung. Diese Effekte zeigen, dass das Bauteil ungleichmäßigen Druckverhältnissen, unterschiedlichen thermischen Verläufen oder lokal abweichendem Schwindungsverhalten ausgesetzt war.
Es handelt sich um die finale Bauteilverformung nach dem Spritzgießprozess – die sichtbare Formabweichung, die durch ungleichmäßige Kontraktion und damit verbundene Effekte während der Abkühlung entsteht.

